Neustart

Ja, um das auch in diesem Rahmen noch zu erwähnen, meine Covid-Erkrankung war kein Zuckerschlecken und ich bin kein „Genesungsposer“. Das Wort hat mir gefallen, ich habe es kürzlich auf Twitter gelesen und es ist meines Erachtens eine treffende Bezeichnung für (ungeimpfte) Menschen, die das Glück hatten, dass sie keine oder kaum Symptome hatten und nach der Infektion stolz damit prahlen, dass sie das locker weggesteckt hätten. Damit implizieren sie auch, dass das Ganze wohl kaum so schlimm sein könne, es sei denn, man sei ein „Weichei“. Der Vollständigkeit halber erwähne ich gerne noch, dass ich wegen meines MS-Medikamentes trotz Impfung leider kaum Antikörper entwickeln konnte und sehr dankbar bin, dass ich deswegen eine Therapie in Anspruch nehmen durfte, die einen schweren Verlauf verhindern kann. Was zum Glück funktioniert hat. Meine Toleranzschwelle gegenüber  „Genesungsposern“ und „Anderen, die ich lieber nicht beim Namen nenne“ ist noch einmal gesunken, aber ich lasse das Thema nun hinter mir, denn ich tue mir damit keinen Gefallen, wenn ich mich darüber auslasse. Sagt mein Ehemann, und wo er Recht hat, hat er Recht ;-)

 

Also - Neustart - neues Jahr, neues Glück und hoffentlich werden gewisse Themen etwas in den Hintergrund treten! Ich mag den Januar im allgemeinen nicht besonders, weil sich in unseren Breitengraden häufig Hochnebel und Bise mit der Dunkelheit verbinden - aber ich mag Neuanfänge. Schon nur deshalb bin ich wahrscheinlich ein Morgenmensch. Ich finde es schön, wenn der Tag noch frisch und rein ist. Morgens habe ich die meiste Energie und auch wenn ich weiss, dass ich nur das Bett neu beziehen und nach ein paar Stunden wieder schlapp auf dem Sofa liegen werde, möchte ich diese frühen, verheissungsvollen Momente nicht missen! Insofern mag ich den Januar doch wieder, weil das Jahr noch unbeschrieben vor einem liegt. Auch wenn man sich keinen neuen Job wünscht, weder den Wohnort wechseln, noch in ferne Länder schweifen oder andere umwälzenden Projekte realisieren möchte, ist so ein Neustart irgendwie schön. Ich muss keine Berge mehr besteigen und keinen Marathon laufen (nicht, dass ich das jemals gemacht oder gewollt hätte ;-)) Ich wünsche mir, dass meine Lebensumstände noch ganz lange so bleiben, wie sie jetzt sind und geniesse auch in diesen aussergewöhnlichen Zeiten den Alltag zusammen mit meinem Ehemann. Natürlich freue ich mich darauf, hoffentlich bald wieder mehr mit Familie und Freunden zusammenkommen zu können! Und ich habe Ziele, wenn sie auch bescheiden erscheinen mögen. Sie beziehen sich zum Beispiel auf Blumen und Pflanzen, die ich im Garten ansiedeln möchte und ich experimentiere in Gedanken mit einem neuen Standort für die Tomatenstauden. Okay, ich habe auch innere Ziele, wenn man das so nennen kann. Prioritäten, die ich anders setzen, Dinge, die ich reflektieren will. Zum Beispiel nachsichtiger sein, Schwächen annehmen, auch bei mir selber. Vor allem bei mir selber. Die „klassischen“ Vorsätze habe ich hinter mir gelassen, aber das neue Jahr erinnert mich daran, dass es jederzeit möglich ist, Prioritäten anders zu setzen und Verhaltensweisen zu überdenken! Wobei es immer wieder hilfreich ist, sich zu fragen, was denn die persönlichen Bedürfnisse wirklich sind und wie sich diese vielleicht im Kleinen verwirklichen lassen, wenn die grossen Würfe nicht möglich sind. Kleine Schritte sind immer gut und können auch bei den Klassikern wie „mehr Sport“ und „gesünder essen“ helfen. Unterscheiden und entscheiden zwischen momentanem Impuls und dem langfristig erwünschten Zustand, ist auch eine gute Taktik. Und immer einfacher gesagt als getan.  

 

Neuanfänge habe ich im Leben schon einige gemacht, manche nur nach langem Zaudern und Zagen, aber es hat sich immer gelohnt! Im Nachhinein habe ich mich jeweils gefragt, warum ich so lange in der Unzufriedenheit verharrt habe, aber Neuland zu betreten, ist mit Ängsten verbunden. Ich habe mal sinngemäss gelesen, dass wir uns lieber mit einer bekannten Unzufriedenheit abfinden, als uns der „Bedrohung“ eines unbekannten Glücks auszusetzen. Das hat was. Nun geniesse ich mein privates Glück und will kein neues Leben mehr, aber noch viele neue Tage! Klirrend kalte Januartage, milde Frühlingstage, heisse Sommer- und neblig-goldene Herbsttage, ich nehme sie alle.  

 

Ich hoffe, Sie hatten einen guten Start ins 2022 und ich wünsche Ihnen in diesem Jahr viel Glück und zufriedene Tage! 

 

P.S. Übrigens, nebst „Genesungsposern“ gefällt mir auch der Begriff „Wohlstandstrotz“ sehr. Kann man jetzt interpretieren wie man will ;-)

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